Bin wieder im Hochhauslande und in die Realitaet zurueckgekehrt, hehe, nach 2 Wochen Paradies, Spass, Feiern und purem Gluecklichsein (was nicht bedeutet, dass ich jetzt ungluecklich bin)! Jaja, erst Karneval in Olinda mit supertollen Leuten, kleiner Urlaub im Urlaub nach Porto de Galinhas und dann Zwischenseminar in Salvador nur mit Deutschen! Mensch, das war echt erstmal merkwuerdig, nachdem ich sonst fast nur mit Brasilianern zu tun und dann auch noch mit Brasilianern Karneval gefeiert hatte. Aber ich hab doch gemerkt, ich mag meine Landsleute auch unheimlich!! Es war eine so hammercoole Gruppe, wir haben so viel Spass gehabt, herumgealbert und ja, so Spiele wie "wie viele Leute koennen wir in den Fensterrahmen des Pavillions packen" sagen eigentlich schon viel ueber unsere Gruppenmentalitaet aus. War wirklich der Burner!!
Um meine Tradition nicht zu brechen, setz ich jetzt nach langer Schweigsamkeit mal wieder nen Monsterbericht hier rein, ist der Einfachkeit halber mein 2. Zwischenbericht, den ich endlich mal verfasst habe. Er handelt halt nur von meiner Arbeit, aber die ist auch toll und interessant, ich hoffe, auch fuer euch :)! Also, nehmt euch nen heissen Tee in Deutschland und Schweden und wo es noch so ueberall am Frieren ist und ne kuehle Caipira oder so fuer die Oelenden und viel Spass beim Durchforsten.....
2. Quartalsbericht
Im November und Dezember habe ich weiterhin nach dem mit meiner Chefin Irmã Enir anfangs ausgearbeiteten Arbeitsplan gearbeitet; war also drei ganze Tage von 8:00 – 19:00 Uhr im Berçário taetig, zwei Vormittage von 8:30 - 12:00 Uhr bei den Freiwilligen der Pastoral da Escuta dabei, zwei Nachmittage mit den Meninas des Alojamento Social (= Bewohnerinnen der sozialen Herberge) beschaeftigt und habe einmal woechentlich die Gebaehrenden als Doula auf der Entbindungsstation begleitet (zur Beschreibung der Arbeitsfelder siehe 1. Quartalsbericht).
Dieser eingespielte Arbeitsrhytmus und der abwechslungsreiche Taetigkeitsbereich waren sehr erfuellend fuer mich; ich konnte mit Freude feststellen, dass sich die Beziehung zu den Mitarbeitern und Meninas weiter intensivierte. Es war ein schoenes und beglueckendes Gefuehl, morgens im Alojamento anzukommen, von allen freundlich begruesst zu werden, sich kurz auszutauschen, Plaene und Wuensche bezueglich weiterer “Fototermine” zu vereinbaren, den Stolz der frischgebackenen Muetter ueber ihre Kinder zu sehen… Tagsueber, vor allem an den Nachmittagen im Alojamento habe ich es genossen, neben den Aktivitaeten sich Zeit zu nehmen, auch einfach “nur” mit den Meninas zusammenzusitzen, sich zu unterhalten, ihre vielen Fragen ueber Deutschland, meine Familie und Freunde zu beantworten, ihnen mein Fotoalbum aus Deutschland zu zeigen oder gemeinsam herumzualbern – sie gaben mir eindeutig das Gefuehl, willkommen und integriert zu sein.
Dieses gute Verhaeltnis zu den Meninas aeusserte sich dann auch sehr positiv bei meiner Arbeit mit den Damen der Pastoral da Escuta, die jeweils nur einmal woechentlich fuer einen Vormittag kamen. Da ich taeglich anwesend war, freuten sie sich einerseits, dass ich auf diese Weise die Rolle einer konstanteren Begleiterin annehmen konnte, und andererseits war es hilfreich, wenn beispielsweise Zusammenhaenge geklaert werden mussten.
Auf diesem Hintergrund war es dann zunaechst eine sehr positive Erfahrung, dass ich zur festen Begleiterin fuer eine der beherbergten Schwangeren, E., wurde. Ich begleitete sie also zu allen Vorsorge- und Ultraschalluntersuchungen und den Besprechungsterminen mit Arzt und Krankenschwester und wurde auch ueber alle Probleme/ Risiken aufgeklaert. Ich verstand mich sehr gut mit E.; sie versuchte stets, mir alles zu erklaeren, und gab mir das Gefuehl, dass das gespannte Erwarten des Kindes sowie die bevorstehende Geburt wie eine gemeinsame Sache waren. Ich fieberte somit wirklich mit, kam jeden Morgen erwartungsvoll an und erkundigte mich als erstes nach E.s Befinden – es war etwas Besonderes, immer so nah dabei zu sein. Bis ich eines Tages kurz vor dem angesetzten Geburtstermin ins Alojamento Social kam und erfuhr, dass E. ohne jegliche Erklaerung das Alojamento verlassen hatte. Meine Enttaeuschung war dementsprechend gross und ich war traurig, da ich sie wirklich gerne gehabt und sie sich nicht verabschiedet hatte. Auch meine Kollegen verstanden nicht, warum sie nicht einmal mir Bescheid gesagt hatte. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich Einzelfaelle nicht zu nah an mich heranlassen darf bzw. immer eine gewisse Distanz, auch innerlich, wahren muss.
Den von mir angestrebten Plan, Englischunterricht fuer die Meninas zu geben, konnte ich Anfang November umsetzen, wenn auch in etwas anderer Form als eigentlich vorgesehen. Urspruenglich wurden mir zwei feste Termine in der Woche zugeteilt, an denen ich den Unterricht geben sollte. Allerdings liefen teils noch andere, oft verpflichtende Kurse gleichzeitig, teils mussten die Schwangeren in der Waescherei mithelfen. Daher bildete ich schliesslich zwei Gruppen je zehn Personen: Mit der einen Gruppe sollte sich zweimal pro Woche in der Mittagspause, mit der anderen einmal woechentlich einen ganzen Nachmittag getroffen werden. Die ersten paar Male funktionierte dieses System auch ganz gut. Doch als bald darauf die Weihnachtsvorbereitungen, wie Geschenke- und Weihnachtsschmuckbasteln, Briefeverfassen, etc. starteten, loesten sich die Gruppen langsam auf. Hinzu kam dass viele nicht besonders willentlich, sondern eher lustlos dabei waren.
Deshalb entschied ich mit den Einzelnen, die wirklich Englisch lernen wollten, sich fexibel nach Vereinbarung zu treffen, teilweise auch in Einzelstunden, um intensiver arbeiten zu koennen. So wendete ich mich zum Beispiel einer Bolivianerin zu, die schon Grundkenntnisse im Englischen besass und gerne anhand von Arbeitsbuechern mit mir lernen wollte.
Ausserdem kuemmerte ich mich um eine Afrikanerin, A., die kein Portugiesisch, sondern nur etwas Englisch sprach. Die Chefin des Alojamento Social hatte mich schon vorher darum gebeten, fuer sie zu dolmetschen, da ausser mir niemand im Alojamento Englisch sprach, ich demnach die einzige richtige Gespraechsperson fuer A. darstellte. Auf der Basis ihrer Englischkenntnisse began ich daher, ihr fuer den Alltag hilfreiche Worte und Saetze auf Portugiesisch beizubringen. Gemeinsam verfassten wir auch ihre Briefe an die Spendenorganisationen in São Paulo und bauten ein gutes Verhaeltnis zueinander auf. Auf diesem Wege wurde ich neben der Chefin des Alojamentos zu ihrer zweiten Bezugsperson, was sie mir auch oft so aeusserte. Als sie dann nach Weihnachten in eine andere Herberge zu anderen Afrikanerinnen wechselte, fiel mir der Abschied schon schwer, aber ich freute mich fuer sie und war dankbar fuer die schoene Zeit, die wir gemeinsam gehabt hatten.
Schliesslich war noch ein junges 14-jaehriges Maedchen mit Begeisterung beim Englischlernen dabei. Sie war schon als Schwangere im Alojamento Social beherbergt gewesen, als ich in Brasilien ankam, und war die erste gewesen, zu der ich eine enge, eigentlich freundschaftliche Beziehung aufbaute. Sie war mir gegenueber sehr vertrauensvoll und hat mir in einigen Momenten sehr viel und offen ueber ihre Vergangenheit erzaehlt, von der ich schockiert war. Sie war interessiert daran, mir alles mitzuteilen und sich zu unterhalten, und wollte eigentlich auch, dass ich sie bei der Geburt ihres Sohnes als Doula begleite. Daraus wurde leider nichts, da die Geburt nachts verlief; am naechsten Morgen stand sie aber schon strahlend mit ihrem Sohn im Arm auf dem Balkon des Krankenhauses und winkte mir zu, als ich durch das Eingangstor trat – ein schoenes Bild, das ich nicht vergessen werde. Das Englischlernen erfolgte dementsprechend auf einer sehr persoenlichen Basis und beinhaltete viel Spass und Lachen.
Insgesamt hat sich mein Englischprojekt also nicht so entfaltet, wie ich es mir urspruenglich ausgemalt hatte. Die zwei Monate, die es lief, konnte ich mich dafuer aber umso intensiver fuer Einzelne einsetzen, bei denen ich dann auch das Gefuehl hatte, dass der Samen auf fruchtbaren Boden fiel; eine wertvolle Erfahrung.
Meine Idee der Schwangerschafts- und Rueckbildungsgymnastik fuer die Meninas dagegen konnte ich noch nicht verwirklichen. Das lag zum einen daran, dass das Anliegen immer wieder aufgeschoben wurde. Ich sollte mich mit der Frau, die Yoga anbieten wollte, zusammensetzen, um gemeinsam unser Programm zu entwickeln, um es dann dem Chefarzt vorzustellen. Allerdings kam dann hinzu, dass die Chefin vom Alojamento Social, mit der ich immer alles besprochen und diesen Plan aufgestellt hatte, aus persoenlichen Gruenden ihren Arbeitsplatz verliess, bevor ueberhaupt die notwendigen Kontakte fuer mich hergestellt waren. Zum anderen war ich auch mit so viel anderen Aufgaben beschaeftigt, dass ich mich fragte, wo ich die Gymnastikstunden ueberhaupt noch unterbringen koennte. Im Dezember intensivierte sich die Arbeit natuerlich noch einmal, da es hiess, die vielen verschiedenen Weihnachtsfeiern nebenher mit vorzubereiten und bei der Umsetzung mitzuhelfen, oft mit der Bitte, die Fotos zu machen. Fuer mich war es wunderschoen, ueberall dabei und involviert zu sein. Allerdings stellte der Dezember somit auch eine sehr anstrengende Phase dar, da ich kaum noch Zeit fuer mich selbst, zum Nachdenken, Reflektieren und Verarbeiten der vielen Eindruecke und zum Organisieren persoenlicher Angelegenheiten hatte. Aus diesem Grund fuehlte ich mich Weihnachten wirklich erschoepft und ausgelaugt und war froh, ueber die Feiertage etwas Abstand vom Projekt zu bekommen, um wieder neue Kraft zu tanken.
Im Januar konnte ich also wieder mit frischer Motivation und Tatendrang ins Projekt starten. Bei dem Anfangsgespraech mit meiner Chefin Irmã Enir im August hatte sie mir zugesagt, dass ich waehrend meines Freiwilligen Jahres hier die verschiedenen Sektoren des Amparo Maternals kennen lernen sollte. Diese Angelegenheit hatte ich vor Weihnachten noch einmal mit ihr angesprochen und fuer 2010 einen neuen Arbeitsplan mit ihr entwickelt.
Seit Januar bin ich nun vormittags weiterhin im Berçário Social von 8:00 – 12:30/13:00 Uhr taetig, ein- bis zweimal pro Woche bei der Pastoral da Escuta dabei und nachmittags taeglich von 14:00 – 19:00 Uhr auf der Woechnerinnenstation der Entbindungsklinik aktiv. Diese Zeit kann mit im Hinblick auf ein Pflegepraktikum fuer mein angestrebtes Medizinstudium in Deutschland wahrscheinlich angerechnet werden, was einen sehr positiven Nebeneffekt darstellt.
Im Krankenhaus wurde ich aeusserst erfreut und nett aufgenommen, da mich viele schon fluechtig kannten und es schoen fanden, dass ich nun auch zu ihnen dazustiess. Dank der Offenheit und Erklaerungsbereitschaft der Schwesternhelferinnen zu meinen Fragen (die Station hat eine leitende Krankenschwester je Schicht, der Rest sind Helferinnen) habe ich mich schnell einarbeiten und nuetzlich machen koennen. Einerseits helfe ich beim Putzen, Bettensaeubern und -beziehen und Materialsortieren, andererseits fuehre ich aber auch Aufnahme und Baden der Neugeborenen durch, weise die Muetter ins Stillen ein, begleite sie zum Bad, messe Blutdruck und Fieber, mache Blutzuckertests bei den Saeuglingen; kurz, versuche mich dort einzubringen, wo Hilfe gebraucht wird und ich mitmachen darf.
Im Januar und Februar gab es oefter kurze Fortbildungstreffen der Schwestern, zum Beispiel ueber Isolierung von Patienten, Hygiene oder Bluttests, bei denen ich auch immer dabei sein durfte. Ausserdem schaue ich den Schwestern bei bestimmten pflegerischen Taetigkeiten wie Magenspuelung der Neugeborenen oder Pflege und Verbinden entzuendeter Kaiserschnittnarben zu, lerne also auch noch viel.
Resuemierend kann ich unterstreichen, dass ich mich auch in diesem Sektor vollends wohl, willkommen und integriert fuehle, ich mich ueber die Bestaetigung meiner Hilfe freue, die ich von meinen Mitarbeiterinnen erhalte, und auch mit diesem neuen Arbeitsrhytmus gut und zufrieden in meinen Aufgaben aufgehe.
Insgesamt gesehen bin ich sehr dankbar und gluecklich, dass mir die Tueren im Amparo Maternal so offen stehen, ich dadurch in viele verschiedene Bereiche des Projektes eintauchen und dort mithelfen kann und auch immer wieder weitere Mitarbeiter naeher kennen lerne. Auf diese Weise habe ich jetzt nach sieben Monaten auch noch einmal verstaerkt das Gefuehl, in der vielschichtigen Struktur des Amparo Maternals angekommen zu sein, im Alojamento Social wie der Entbindungsklinik, und meinen eigenen Platz hier gefunden zu haben, da ich auf bestimmte Art und Weise ueberall involviert bin. Hierbei waere allerdings auch kritisch zu hinterfragen, ob diese vielen Einsatzbereiche denn so gut sind oder ob es nicht besser waere, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Dieser Gedanke ist mir schon oft gekommen, wobei mir dann auch jedes Mal wieder bewusst wird, dass es gerade diese Vielseitigkeit der Arbeit war, die mich bei der Auswahl des Projektes so gereizt hatte, und dass gerade darin auch viele meiner Erwartungen verankert waren, die nun erfuellt werden. Nachdem mein Schwerpunkt die ersten fuenf Monate bis Weihnachten im Alojamento Social bei der Arbeit mit den Meninas lag, hat er sich nun mehr auf den klinischen Bereich verlagert, wobei sozusagen als konstante Basis der Berçário Social erhalten bleibt. Denn dort wird meine Hilfe dringend gebraucht. Ausserdem bleibt auch durch die Arbeit der Pastoral da Escuta der Kontakt zu den Meninas weiterhin erhalten, sodass ich auch dort nicht aussen vorstehe. Da die beschriebene Aufteilung meines Dienstes sowohl von meiner Chefin, als auch von meinen Mitarbeitern unterstuetzt wird und sie mich dazu ermuntern, die verschiedenen Teile kennen zu lernen, habe ich vor, an diesem Prinzip meiner Arbeit erstmal nichts zu veraendern.
Nach unserem intensive wie aufschlussreichen Zwischenseminar ist mir allerdings bewusst geworden, dass die Organisation des Freiwilligendienstes im Amparo Maternal dennoch konkretisiert und klarer strukturiert werden muesste. In diesem Punkt fehlen leitende, klare Richtlinien und bestimmte Kontaktpersonen, wie beispielsweise ein Mentor fuer den Freiwilligen, was bei Komplikationen im Projekt Probleme aufwerfen koennte, die eigentlich zu vermeiden waeren. So ist es also mein Ziel fuer die naechsten Monate, in dieser Angelegenheit gemeinsam mit meiner Chefin und meinem Traeger in Deutschland Klarheit zu schaffen und eine Loesung zu finden.
Hey hanni, hatte noch nicht Zeit alle genau zu lesen, aber es ist nicht schwer zu erkennen dass du viel Spass hast!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
AntwortenLöschenhab dich lieb, dein wuppel