Hallo ihe Lieben!!
Nach einem Monat tiefer Stille, tauche ich nun auch mal wieder auf, hehe, leider wieder mit wenig Zeit, sodass ich erstmal einfach meinen ersten Quartalsbericht, den ich fuer meine Organisation schreiben musste, hier reinstelle. Einiges kommt euch wahrscheinlich bekannt vor, aber er gibt euch hoffentlich wenigstens einen kleinen Eindruck davon, wie sich mein Leben hier in Brasilien so entwickelt hat. Also viel Spass beim Lesen ;)!!
1. Quartalsbericht
Bei meiner Ankunft in São Paulo war ich erstmal ganz überwältigt von den Riesenausmassen der Stadt; der Dschungel aus Hochhäusern und grundsätzlich verstopften Strassen und das scheinbar funktionierende Verkehrschaos schienen mich zu erschlagen. Hinzu kam die Sprachbarriere; denn obwohl ich besonders in den letzten Wochen vor meinem Abflug noch einmal intensiver Portugiesisch gelernt hatte, verstand ich bei dem Sprachtempo der Brasilianer zunächst so gut wie gar nichts. So war ich in doppelter Hinsicht froh und dankbar, dass ich die ersten vier Tage bei der Familie einer entfernten Cousine meiner Mutter bleiben konnte, die in São Paulo lebt und auch Deutsch spricht. Sie half mir sehr, mich ein wenig in dieser Megastadt einzufinden und zu orientieren, unternahm viel mit mir und gemeinsam machten wir auch das Amparo Maternal spwie meine Wohnung ausfindig. Bei meinem ersten Besuch im Amparo Maternal wurde ich von Irmã Enir, der Präsidentin, und Donna Norma, der Verwalterin, sehr herzlich begrüsst und empfangen und erhielt auch gleich einen äusserst positiven Eindruck von der Atmosphäre und dem Ambiente der Einsatzstelle selbst.
Nach dieser ersten Hochphase und Begeisterung folgte dann aber schon bald eine erste Krise, holte mich der Kulturschock doch noch ein. Obwohl ich mir im Voraus schon Gedanken darüber gemacht und mich darauf eingestellt hatte, dass ich am Anfang erst einmal viel Geduld haben und mir meine Aufgaben im Amparo Maternal erst zusammensuchen müsste, viel mir diese Tatenlosigkeit äusserst schwer. Ich fühlte mich verloren als einzige “FSJlerin” und fragte mich, wie ich in diesem grossen, in sich funktionierenden Projekt mithelfen konnte; já wo meine Hilfe überhaupt gebraucht wurde. Hinzu kam, dass ich mich mit meiner Mitbewohnerin zu Hause nicht besonders wohl fühlte und in ihr nicht gerade eine Freundin oder Vertrauensperson finden konnte. Sie schien mir im Gegensatz zu den anderen lebensfreudigen und offenen Brasilianern, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, sehr kühl und recht ungeduldig bezüglich der Verständnisschwierigkeiten, die anfangs natürlich noch öfter auftraten, was mir sehr ungeduldig war.
Daher fühlte ich mich sehr alleine, hatte viel Heimweh nach meiner Familie und meinen Freunden und hatte mit Zweifeln zu kämpfen, ob es wirklich die richtige Entscheidung gewesen war, gerade nach São Paulo zu kommen.
Die Ankunft im Amparo Maternal gestaltete sich demnach also erst schwierig für mich. Nachdem ich dann aber mit einem vierwöchigen Sprachkurs begann, um die Eingewöhung auch auf sprachlicher Basis zu unterstützen, und mit Irmã Enir und verschiedenen anderen Personen im Amparo Maternal offen über meine Schwierigkeiten und meine Situation sprach, um gemeinsam genauer meinen Einsatzbereich für die erste Zeit zu bestimmen, ging es wieder bergauf.
Nach den ersten drei Monaten kann ich nun dankbar und zufrieden feststellen, dass ich mich sehr gut in São Paulo eingelebt habe, gut mit der Sprache und Kommunikation zurecht komme und mich wunderbar in meiner Einsatzstelle eingefunden habe; ich fühle mich integriert, kann viel helfen und habe ein breites Spektrum an Aufgaben, worüber ich sehr glücklich bin. Angefangen im Berçário, der “Kinderkrippe”, in der meine Hilfe bei der Pflege, Versorgung und Betreuung der zwei- bis siebenmonatigen Babys sehr gebraucht wird, habe ich mir mit der Zeit verschiedene weitere Aufgaben zusammen gesucht, sodass ich inzwischen einen vielfältigen Einsatzbereich habe.
Montags, mittwochs und freitags helfe ich von 8:00Uhr bis 19:00Uhr im Berçário die Säuglinge zu füttern, zu baden, zu wickeln und wenn zwischendurch Zeit bleibt, spielend zu beschäftigen. Ausserdem müssen sich um Wäsche und Sauberkeit gekümmert und die Kinder ab und zu zu Untersuchungen gebracht werden. Inzwischen bin ich auch gut eingearbeitet, sodass ich die Vertretungen der Berçaristas ohne Probleme einweisen kann und mir meine “Kollegen” schon oft gesagt haben, dass meine Hilfe sehr wertvoll ist, was mir wiederum viel bedeutet.
Dienstags und donnerstags arbeite ich vormittags von 8:30Uhr bis 12:30Uhr zusammen mit jeweils zwei Freiwilligen der “Pastoral da Escuta”, einer Gruppe von Frauen einer Kirchengemeinde hier in São Paulo. Sie kümmern sich um die Mütter und Schwangeren, die Alojamento Social, der “sozialen Herberge” des Amparo Maternals, wohnen. Ihre primäre Aufgabe ist das Zuhören (>Escutar), wobei sie zusätzlich zu dieser psychologischen Begleitung besonders den Müttern mit der Versorgung ihrer Säuglingen helfen, ihnen das Baden, Wickeln, Stillen und den Umgang beibringen, Unterrichtseinheiten bzw. kurze Vorträge über spezielle Themen, wie beispielsweise den Vorgang der Geburt oder Impfungen, halten und auch pflegerische Tätigkeiten, wie Nägelschneiden, Nabelpglege und Mundreinigung, bei den Säuglingen vornehmen.
Hier kann ich nicht nur mithelfen, sondern auch selbst noch sehr viel im Umgang mit Säuglingen lernen und noch mehr über die Frauen bzw. Mädchen selbst und ihren bisherigen Lebensweg erfahren. Da ich die meisten von ihnen schon recht gut kenne, wir uns gut verstehen und ich jetzt auch schnell Kontakt auch mit den Neuankömmlingen aufbauen kann, reden sie meist sehr offen mit mir und freuen sich, wenn ich ihnen helfen kann.
Dienstags- und Donnerstagnachmittag verbringe ich nämlich die Zeit mit den Frauen im Alojamento während ihrer Aktivitäten, begleite sie zu bestimmten Kursen ausserhalb oder4 zu Arztterminen in anderen Krankenhäusern, unterhalte mich viel mit ihnen und mache Fotos mit ihren Kindern für sie. Auf diese Weise habe ich zu vielen schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt und werde von ihnen als Freundin und Begleiterin angesehen, worüber ich sehr dankbar bin und mich freue.
Darüber hinaus habe ich nach einem kleinen Einführungskurs auch die Arbeit als “Doula” aufgenommen. Als Doula begleitet man die Gebährenden im Idealfall während des gesamten Geburtsprozesses einschliesslich der Eröffnungs- und Wehenphase, gibt emotionale Unterstützung, erklärt die Vorgänge, ist Kontaktperson und versucht der Gebährenden über die Schmerzen zu helfen, beispielsweise durch Massagen. Auf diesem Weg bin ich nun also auch schon etwas in der Entbindungsstation des eigentlichen Krankenhauses tätig, was für mich jedes Mal eine besonders intensive, wertvolle und interessante Erfahrung darstellt. Bisher habe ich immer montags ausschliesslich Frauen begleitet, die nur zur Geburt zum Amparo Maternal kommen und nicht im Alojamento beherbergt sind, wobei mich aber auch schon einige Schwangere aus dem Alojamento gefragt haben, ob ich sie nicht bei ihrer Geburt begleiten könne. Diese Zeichen des Vertrauens von Seiten der Frauen bedeuten mir besonders viel und nehme ich besonders ernst, was teilweise allerdings auch zu Enttäuschungen führen kann. So sehr ich die offen und herzliche Art der Brasilianer schätze, so schwer fällt es mir noch, mit der oftmals unzuverlässigen Seite vieler klarzukommen.
Eine weitere grosse Herausforderung für mich ist es zu akzeptieren, dass man in vielen Fällen trotz seines Einsatzes dennoch nicht viel ausrichten kann; dass viele Frauen, wenn sie das Alojamento verlassen, vielleicht wieder ins alte Fahrwasser gelangen und später erneut ungewollt schwanger vor der Tür stehen. Die Schwere zwischen Arm und Reich ist hier so gross und gerade in São Paulo sehr offensichtlich, sodass es besonders für Schwangere und Frauen mit Kind der sozial schwächeren Schicht äusserst schwierig ist, neu zu beginnen, Anschluss und Arbeit zu finden und aus der Mühle der Armut auszutreten.
Dennoch wird aber die brasilianische Lebensfreude nicht aufgegeben und gerade auch im Amparo Maternal, wo der Alltag das Erwachen neuen Lebens ist, spürt man den Willen und die Hoffnung der Frauen zu einem neuen Anfang, was ich sehr beeindruckend, anerkennenswert und auch inspirierend finde!
Seit langem habe ich jetzt schon die Idee eines Kurses in Schwangerschafts- und Rückbildungsgymnastik für die Frauen, konnte sie allerdings noch nicht verwirklichen. Eine andere Frau möchte ein Yogaprogramm anbieten, sodass wir uns wahrscheinlich zusammenschliessen, da beides viel miteinander zu tun hat. Vorerst müssen wir allerdings erst noch die Erlaubnis vom Chefarzt des Amparo Maternals bekommen und auch für entsprechendes Material sorgen.
Zusätzlich dazu habe ich vor, Englischunterricht für die Frauen des Alojamentos anzubieten, womit ich meiner Kollegen nach schon diese Woche beginnen kann. Das Problem dabei wird nur wahrscheinlich sein, dass die meisten der Frauen nur begrenzte Zeit bleiben, sodass die Sprache nicht wirklich gelernt werden kann. Aber vielleicht kann es zumindest ein Anstoss sein bzw. Eine Grundkenntnis aufgebaut werden.
Insgesamt kann ich sagen, dass ich aufgrund des guten Verhältnisses zu den Schwangeren und Müttern selbst wie auch den Mitarbeitern, des angenehmen Arbeitsklimas und der Anerkennung und Wertschätzung meiner Hilfe sowohl von Seiten der Frauen, als auch von Seiten der Kollegen und Cheffinen, nun äusserst glücklich und zufrieden in meinem Projekt bin, gerne zum Arbeiten komme und mich freue, dass das Amparo Maternal ohne Zweifel zum Mittelpunkt meines Lebens hier in Brasilien geworden ist!
Am Wochenende und den Feiertagen kann ich meistens viel mit meinen Kollegen und Freunden aus dem Amparo Maternal unternehmen und auf diese Weise wieder neue nette Leute kennen lernen, die mich wiederum zu Unternehmungen einladen, sodass ich nicht nur in der Woche in meiner Einsatzstelle bestens beschäftigt, sondern auch sonst meistens unterwegs bin. Daher hat sich auch meine Wohnungssituation relativiert und ich kann mich besser auf meine Mitbewohnerin einstellen. Davon abgesehen verstehe ich mich auch sehr gut mit den anderen Bewohnern des Hauses.
Für die kommenden Wochen und Monate hoffe ich, dass ich die Möglichkeit und Zeit finde, noch Kontakt zu anderen FSJlern und Freiwilligen aus anderen Projekten hier in São Paulo aufzunehmen.
Geschafft???? Supi, ich druecke euch ganz doll und wuensche allen einen schoenen ersten Advent! Bei mir kommt bisher noch nicht wirklich weihnachtliche Stimmung auf trotz Weihnachtsschmuck im Uebermass; naja, Weihnachtsbaum aufbauen und schmuecken (bis man ihn kaum noch sieht, so ist das halt mit den kitschliebenden Brasilianern ;)) und dabei vor Hitze am Oelen, ist auch ne Erfahrung!!!
Liebe Gruesse von eurer Johanna
Hey Hanni,
AntwortenLöschenToller Bericht, ich hab mich gerfeut so viel von dir zu lesen!
Viele Gruesse von der Golden Gate!
Hab dich sehr lieb, sagt Wupp!
hey hanna,
AntwortenLöschenwie schön, wie schön.mehr davon :),soweit es deine zeit erlaubt,versteht sich.
liebe grüße aus der aachener wohnung,in der jetzt mal ne kerze angezündet wird,damit man den ersten advent auch merkt!
Das hört sich doch alles schön an! :)
AntwortenLöschenIch knuddel dich ganz ganz doll,
hab dich lieb,
Lu!
hey hanna!
AntwortenLöschenDa hast du ja ne menge zutun mittlerweile! Ist ja toll!Du scheinst einen richtigen ablauf zu haben jede woche.im moment weiss ich nichtmal, was am naechsten tag ansteht. :)
hast du eigetlich meinen brief bekommen? :D
Ganz liebe gruesse!
Sneha