Ausflug mit einigen Meninas

Montag, 8. März 2010

Kaum zu glauben, aber FOTOS

Unsere Gruppe vom Zwischenseminar in Salvador


Und ein kleiner Einblick in unsere Freizeitaktiviotaeten

Jetzt muss ich wieder an die Arbeit, aber ich hoffe, ich kann bald auch noch ein paar Bilder vom Karneval schicken....

Freitag, 5. März 2010

2. Quartalsbericht

Bin wieder im Hochhauslande und in die Realitaet zurueckgekehrt, hehe, nach 2 Wochen Paradies, Spass, Feiern und purem Gluecklichsein (was nicht bedeutet, dass ich jetzt ungluecklich bin)! Jaja, erst Karneval in Olinda mit supertollen Leuten, kleiner Urlaub im Urlaub nach Porto de Galinhas und dann Zwischenseminar in Salvador nur mit Deutschen! Mensch, das war echt erstmal merkwuerdig, nachdem ich sonst fast nur mit Brasilianern zu tun und dann auch noch mit Brasilianern Karneval gefeiert hatte. Aber ich hab doch gemerkt, ich mag meine Landsleute auch unheimlich!! Es war eine so hammercoole Gruppe, wir haben so viel Spass gehabt, herumgealbert und ja, so Spiele wie "wie viele Leute koennen wir in den Fensterrahmen des Pavillions packen" sagen eigentlich schon viel ueber unsere Gruppenmentalitaet aus. War wirklich der Burner!!

Um meine Tradition nicht zu brechen, setz ich jetzt nach langer Schweigsamkeit mal wieder nen Monsterbericht hier rein, ist der Einfachkeit halber mein 2. Zwischenbericht, den ich endlich mal verfasst habe. Er handelt halt nur von meiner Arbeit, aber die ist auch toll und interessant, ich hoffe, auch fuer euch :)! Also, nehmt euch nen heissen Tee in Deutschland und Schweden und wo es noch so ueberall am Frieren ist und ne kuehle Caipira oder so fuer die Oelenden und viel Spass beim Durchforsten.....


2. Quartalsbericht

Im November und Dezember habe ich weiterhin nach dem mit meiner Chefin Irmã Enir anfangs ausgearbeiteten Arbeitsplan gearbeitet; war also drei ganze Tage von 8:00 – 19:00 Uhr im Berçário taetig, zwei Vormittage von 8:30 - 12:00 Uhr bei den Freiwilligen der Pastoral da Escuta dabei, zwei Nachmittage mit den Meninas des Alojamento Social (= Bewohnerinnen der sozialen Herberge) beschaeftigt und habe einmal woechentlich die Gebaehrenden als Doula auf der Entbindungsstation begleitet (zur Beschreibung der Arbeitsfelder siehe 1. Quartalsbericht).

Dieser eingespielte Arbeitsrhytmus und der abwechslungsreiche Taetigkeitsbereich waren sehr erfuellend fuer mich; ich konnte mit Freude feststellen, dass sich die Beziehung zu den Mitarbeitern und Meninas weiter intensivierte. Es war ein schoenes und beglueckendes Gefuehl, morgens im Alojamento anzukommen, von allen freundlich begruesst zu werden, sich kurz auszutauschen, Plaene und Wuensche bezueglich weiterer “Fototermine” zu vereinbaren, den Stolz der frischgebackenen Muetter ueber ihre Kinder zu sehen… Tagsueber, vor allem an den Nachmittagen im Alojamento habe ich es genossen, neben den Aktivitaeten sich Zeit zu nehmen, auch einfach “nur” mit den Meninas zusammenzusitzen, sich zu unterhalten, ihre vielen Fragen ueber Deutschland, meine Familie und Freunde zu beantworten, ihnen mein Fotoalbum aus Deutschland zu zeigen oder gemeinsam herumzualbern – sie gaben mir eindeutig das Gefuehl, willkommen und integriert zu sein.

Dieses gute Verhaeltnis zu den Meninas aeusserte sich dann auch sehr positiv bei meiner Arbeit mit den Damen der Pastoral da Escuta, die jeweils nur einmal woechentlich fuer einen Vormittag kamen. Da ich taeglich anwesend war, freuten sie sich einerseits, dass ich auf diese Weise die Rolle einer konstanteren Begleiterin annehmen konnte, und andererseits war es hilfreich, wenn beispielsweise Zusammenhaenge geklaert werden mussten.

Auf diesem Hintergrund war es dann zunaechst eine sehr positive Erfahrung, dass ich zur festen Begleiterin fuer eine der beherbergten Schwangeren, E., wurde. Ich begleitete sie also zu allen Vorsorge- und Ultraschalluntersuchungen und den Besprechungsterminen mit Arzt und Krankenschwester und wurde auch ueber alle Probleme/ Risiken aufgeklaert. Ich verstand mich sehr gut mit E.; sie versuchte stets, mir alles zu erklaeren, und gab mir das Gefuehl, dass das gespannte Erwarten des Kindes sowie die bevorstehende Geburt wie eine gemeinsame Sache waren. Ich fieberte somit wirklich mit, kam jeden Morgen erwartungsvoll an und erkundigte mich als erstes nach E.s Befinden – es war etwas Besonderes, immer so nah dabei zu sein. Bis ich eines Tages kurz vor dem angesetzten Geburtstermin ins Alojamento Social kam und erfuhr, dass E. ohne jegliche Erklaerung das Alojamento verlassen hatte. Meine Enttaeuschung war dementsprechend gross und ich war traurig, da ich sie wirklich gerne gehabt und sie sich nicht verabschiedet hatte. Auch meine Kollegen verstanden nicht, warum sie nicht einmal mir Bescheid gesagt hatte. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich Einzelfaelle nicht zu nah an mich heranlassen darf bzw. immer eine gewisse Distanz, auch innerlich, wahren muss.

Den von mir angestrebten Plan, Englischunterricht fuer die Meninas zu geben, konnte ich Anfang November umsetzen, wenn auch in etwas anderer Form als eigentlich vorgesehen. Urspruenglich wurden mir zwei feste Termine in der Woche zugeteilt, an denen ich den Unterricht geben sollte. Allerdings liefen teils noch andere, oft verpflichtende Kurse gleichzeitig, teils mussten die Schwangeren in der Waescherei mithelfen. Daher bildete ich schliesslich zwei Gruppen je zehn Personen: Mit der einen Gruppe sollte sich zweimal pro Woche in der Mittagspause, mit der anderen einmal woechentlich einen ganzen Nachmittag getroffen werden. Die ersten paar Male funktionierte dieses System auch ganz gut. Doch als bald darauf die Weihnachtsvorbereitungen, wie Geschenke- und Weihnachtsschmuckbasteln, Briefeverfassen, etc. starteten, loesten sich die Gruppen langsam auf. Hinzu kam dass viele nicht besonders willentlich, sondern eher lustlos dabei waren.

Deshalb entschied ich mit den Einzelnen, die wirklich Englisch lernen wollten, sich fexibel nach Vereinbarung zu treffen, teilweise auch in Einzelstunden, um intensiver arbeiten zu koennen. So wendete ich mich zum Beispiel einer Bolivianerin zu, die schon Grundkenntnisse im Englischen besass und gerne anhand von Arbeitsbuechern mit mir lernen wollte.

Ausserdem kuemmerte ich mich um eine Afrikanerin, A., die kein Portugiesisch, sondern nur etwas Englisch sprach. Die Chefin des Alojamento Social hatte mich schon vorher darum gebeten, fuer sie zu dolmetschen, da ausser mir niemand im Alojamento Englisch sprach, ich demnach die einzige richtige Gespraechsperson fuer A. darstellte. Auf der Basis ihrer Englischkenntnisse began ich daher, ihr fuer den Alltag hilfreiche Worte und Saetze auf Portugiesisch beizubringen. Gemeinsam verfassten wir auch ihre Briefe an die Spendenorganisationen in São Paulo und bauten ein gutes Verhaeltnis zueinander auf. Auf diesem Wege wurde ich neben der Chefin des Alojamentos zu ihrer zweiten Bezugsperson, was sie mir auch oft so aeusserte. Als sie dann nach Weihnachten in eine andere Herberge zu anderen Afrikanerinnen wechselte, fiel mir der Abschied schon schwer, aber ich freute mich fuer sie und war dankbar fuer die schoene Zeit, die wir gemeinsam gehabt hatten.

Schliesslich war noch ein junges 14-jaehriges Maedchen mit Begeisterung beim Englischlernen dabei. Sie war schon als Schwangere im Alojamento Social beherbergt gewesen, als ich in Brasilien ankam, und war die erste gewesen, zu der ich eine enge, eigentlich freundschaftliche Beziehung aufbaute. Sie war mir gegenueber sehr vertrauensvoll und hat mir in einigen Momenten sehr viel und offen ueber ihre Vergangenheit erzaehlt, von der ich schockiert war. Sie war interessiert daran, mir alles mitzuteilen und sich zu unterhalten, und wollte eigentlich auch, dass ich sie bei der Geburt ihres Sohnes als Doula begleite. Daraus wurde leider nichts, da die Geburt nachts verlief; am naechsten Morgen stand sie aber schon strahlend mit ihrem Sohn im Arm auf dem Balkon des Krankenhauses und winkte mir zu, als ich durch das Eingangstor trat – ein schoenes Bild, das ich nicht vergessen werde. Das Englischlernen erfolgte dementsprechend auf einer sehr persoenlichen Basis und beinhaltete viel Spass und Lachen.

Insgesamt hat sich mein Englischprojekt also nicht so entfaltet, wie ich es mir urspruenglich ausgemalt hatte. Die zwei Monate, die es lief, konnte ich mich dafuer aber umso intensiver fuer Einzelne einsetzen, bei denen ich dann auch das Gefuehl hatte, dass der Samen auf fruchtbaren Boden fiel; eine wertvolle Erfahrung.

Meine Idee der Schwangerschafts- und Rueckbildungsgymnastik fuer die Meninas dagegen konnte ich noch nicht verwirklichen. Das lag zum einen daran, dass das Anliegen immer wieder aufgeschoben wurde. Ich sollte mich mit der Frau, die Yoga anbieten wollte, zusammensetzen, um gemeinsam unser Programm zu entwickeln, um es dann dem Chefarzt vorzustellen. Allerdings kam dann hinzu, dass die Chefin vom Alojamento Social, mit der ich immer alles besprochen und diesen Plan aufgestellt hatte, aus persoenlichen Gruenden ihren Arbeitsplatz verliess, bevor ueberhaupt die notwendigen Kontakte fuer mich hergestellt waren. Zum anderen war ich auch mit so viel anderen Aufgaben beschaeftigt, dass ich mich fragte, wo ich die Gymnastikstunden ueberhaupt noch unterbringen koennte. Im Dezember intensivierte sich die Arbeit natuerlich noch einmal, da es hiess, die vielen verschiedenen Weihnachtsfeiern nebenher mit vorzubereiten und bei der Umsetzung mitzuhelfen, oft mit der Bitte, die Fotos zu machen. Fuer mich war es wunderschoen, ueberall dabei und involviert zu sein. Allerdings stellte der Dezember somit auch eine sehr anstrengende Phase dar, da ich kaum noch Zeit fuer mich selbst, zum Nachdenken, Reflektieren und Verarbeiten der vielen Eindruecke und zum Organisieren persoenlicher Angelegenheiten hatte. Aus diesem Grund fuehlte ich mich Weihnachten wirklich erschoepft und ausgelaugt und war froh, ueber die Feiertage etwas Abstand vom Projekt zu bekommen, um wieder neue Kraft zu tanken.

Im Januar konnte ich also wieder mit frischer Motivation und Tatendrang ins Projekt starten. Bei dem Anfangsgespraech mit meiner Chefin Irmã Enir im August hatte sie mir zugesagt, dass ich waehrend meines Freiwilligen Jahres hier die verschiedenen Sektoren des Amparo Maternals kennen lernen sollte. Diese Angelegenheit hatte ich vor Weihnachten noch einmal mit ihr angesprochen und fuer 2010 einen neuen Arbeitsplan mit ihr entwickelt.

Seit Januar bin ich nun vormittags weiterhin im Berçário Social von 8:00 – 12:30/13:00 Uhr taetig, ein- bis zweimal pro Woche bei der Pastoral da Escuta dabei und nachmittags taeglich von 14:00 – 19:00 Uhr auf der Woechnerinnenstation der Entbindungsklinik aktiv. Diese Zeit kann mit im Hinblick auf ein Pflegepraktikum fuer mein angestrebtes Medizinstudium in Deutschland wahrscheinlich angerechnet werden, was einen sehr positiven Nebeneffekt darstellt.

Im Krankenhaus wurde ich aeusserst erfreut und nett aufgenommen, da mich viele schon fluechtig kannten und es schoen fanden, dass ich nun auch zu ihnen dazustiess. Dank der Offenheit und Erklaerungsbereitschaft der Schwesternhelferinnen zu meinen Fragen (die Station hat eine leitende Krankenschwester je Schicht, der Rest sind Helferinnen) habe ich mich schnell einarbeiten und nuetzlich machen koennen. Einerseits helfe ich beim Putzen, Bettensaeubern und -beziehen und Materialsortieren, andererseits fuehre ich aber auch Aufnahme und Baden der Neugeborenen durch, weise die Muetter ins Stillen ein, begleite sie zum Bad, messe Blutdruck und Fieber, mache Blutzuckertests bei den Saeuglingen; kurz, versuche mich dort einzubringen, wo Hilfe gebraucht wird und ich mitmachen darf.

Im Januar und Februar gab es oefter kurze Fortbildungstreffen der Schwestern, zum Beispiel ueber Isolierung von Patienten, Hygiene oder Bluttests, bei denen ich auch immer dabei sein durfte. Ausserdem schaue ich den Schwestern bei bestimmten pflegerischen Taetigkeiten wie Magenspuelung der Neugeborenen oder Pflege und Verbinden entzuendeter Kaiserschnittnarben zu, lerne also auch noch viel.

Resuemierend kann ich unterstreichen, dass ich mich auch in diesem Sektor vollends wohl, willkommen und integriert fuehle, ich mich ueber die Bestaetigung meiner Hilfe freue, die ich von meinen Mitarbeiterinnen erhalte, und auch mit diesem neuen Arbeitsrhytmus gut und zufrieden in meinen Aufgaben aufgehe.

Insgesamt gesehen bin ich sehr dankbar und gluecklich, dass mir die Tueren im Amparo Maternal so offen stehen, ich dadurch in viele verschiedene Bereiche des Projektes eintauchen und dort mithelfen kann und auch immer wieder weitere Mitarbeiter naeher kennen lerne. Auf diese Weise habe ich jetzt nach sieben Monaten auch noch einmal verstaerkt das Gefuehl, in der vielschichtigen Struktur des Amparo Maternals angekommen zu sein, im Alojamento Social wie der Entbindungsklinik, und meinen eigenen Platz hier gefunden zu haben, da ich auf bestimmte Art und Weise ueberall involviert bin. Hierbei waere allerdings auch kritisch zu hinterfragen, ob diese vielen Einsatzbereiche denn so gut sind oder ob es nicht besser waere, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Dieser Gedanke ist mir schon oft gekommen, wobei mir dann auch jedes Mal wieder bewusst wird, dass es gerade diese Vielseitigkeit der Arbeit war, die mich bei der Auswahl des Projektes so gereizt hatte, und dass gerade darin auch viele meiner Erwartungen verankert waren, die nun erfuellt werden. Nachdem mein Schwerpunkt die ersten fuenf Monate bis Weihnachten im Alojamento Social bei der Arbeit mit den Meninas lag, hat er sich nun mehr auf den klinischen Bereich verlagert, wobei sozusagen als konstante Basis der Berçário Social erhalten bleibt. Denn dort wird meine Hilfe dringend gebraucht. Ausserdem bleibt auch durch die Arbeit der Pastoral da Escuta der Kontakt zu den Meninas weiterhin erhalten, sodass ich auch dort nicht aussen vorstehe. Da die beschriebene Aufteilung meines Dienstes sowohl von meiner Chefin, als auch von meinen Mitarbeitern unterstuetzt wird und sie mich dazu ermuntern, die verschiedenen Teile kennen zu lernen, habe ich vor, an diesem Prinzip meiner Arbeit erstmal nichts zu veraendern.

Nach unserem intensive wie aufschlussreichen Zwischenseminar ist mir allerdings bewusst geworden, dass die Organisation des Freiwilligendienstes im Amparo Maternal dennoch konkretisiert und klarer strukturiert werden muesste. In diesem Punkt fehlen leitende, klare Richtlinien und bestimmte Kontaktpersonen, wie beispielsweise ein Mentor fuer den Freiwilligen, was bei Komplikationen im Projekt Probleme aufwerfen koennte, die eigentlich zu vermeiden waeren. So ist es also mein Ziel fuer die naechsten Monate, in dieser Angelegenheit gemeinsam mit meiner Chefin und meinem Traeger in Deutschland Klarheit zu schaffen und eine Loesung zu finden.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Gruss aus dem Nordosten

Und jetzt tauch ich auch mal wieder aus dem Untergrund auf, mit ganz viel hammermaessigen Karnevalseindruecken aus Olinda und Recife....
Mensch, den Karneval in Brasilien und speziell auf den proppenvollen Strassen von Olinda muss man einfach miterleben, um zu verstehen, wie hammermaessig das ist. Alle Leute am tanzen, feiern, johlen, springen, trinken (sogar das Hannilein mit cerveja ;) - ja jetzt ist es neben Kaffe sogar auch noch auf den Geschmack von Bier gekommen, oh oh, das schafft wohl nur Brasilien mit mir, wo wird das wohl enden??).... Einfach mal Party den ganzen Tag, die ganze Nacht, der Frevobeat hat sich nur zu gut in mein Gehoern eingehaemmert, aber man lernt ihn doch lieben.

Gut, ich muss dann nochmal ausfuehrlicher berichten, wollt mich nur kurz aus Porto de Galinhas (kleiner, wunderschoener Strandort suedlich von Recife) melden. Gestern Nacht hat sich diese Idee spontan ergeben und so bin ich dann heute Vormittag mit ein paar von unserer Haustruppe, die ich in Olinda kennen gelernt hab, losgefahren. Bin total begeistert, war schon im Meer, dafuer hatten wir in Olinda gar keine Zeit, hatten anderes zu tun :)!! So und dann bin ich einfach mal total gluecklich, weil die hier alle so toll sind und alles so schoen ist und man bei der kleinsten Gelegenheit wieder neue Bekanntschaften schliesst....
Samstag oder so, wird sich moch klaeren, werd ich mich dann mit Marlene nach Salvador weiterziehen, wo wir unser Zwischenseminar haben. Darauf freue ich mich auch schon, nur hab iuch etwas Bedenken, wie ich das noch eine Woche durchhalten werde, man ist ja schon etwas fertih....
Gut, Zeit laeuft ab.
MCHTS GUT, BIS BALD UND HAB EUCH LIEB!
der Hannabaer

Dienstag, 26. Januar 2010

Fazenda in Mato Grosso do Sul

Und weiter gehts mit dem Reisebericht:
Vom 8.1. bis17.1. bin ich mit der Familie Almeida (Eli, Eliana, Belita und Co) also auf der Rinderfarm in Mato Grosso do Sul gewesen. Die Fahr lang aber unheimlich schoen und interessant. Mit immer mehr wachsender Freude konnte ich beobachten, wie Haeuser und Zeichen von Zivilisation immer weniger wurden und die Landschaft sich veraenderte.... im Staat von São Paulo gab es noch Huegel mit Feldern und Baumwuchs, der mehr oder weniger an deutsche Vegetation erinnerte, einziger Unterschied: viel groessere Dimensionen!! Sobald dann der Fluss Parana - breit wie ein riesiger See - ueberquert war, ging es nur noch geradeaus, aber wirklich auch nicht die kleinste Biegung..... Die Tiefebene schien endlos weiterzugehen, die Baeume wurden kleiner und vereinzelter, aber Dank des vielen Regens alles am Gruenen und Bluehen und Wunderschoensein!!! Viele Weiden und Ackerflaechen und ab und an mal ein kleines Farmhaeuschen am Horizont....

Die letzten 70km bis zur Farm waren dann nur noch Sandpiste, die bestens zum Crossroading geeignet waere, aber gluecklicherweise dazu NICHT genutzt wird...Aufgrund zahlreicher Schlagloecher und Riesenpfuetzen, die nicht selten tief waren und eher einem kleinen See glichen, kam man wirklich nur mit Caminhonete durch und wurde ordentlich durchgeschuettelt. Riesenspass!! Und ich war einfach nur ueberwaeltigt von der Schoenheit der Umgebung: Der Farbunterschied zwischen tiefrotem Sand, saftiggruenen Wiesen, strahlend blauem Himmel und weissen Wolken und weissen "Indienkuehen" (Reile, da musste ich doch ganz viel an dich denken) war einfach fantastisch!!
Von der Farm selbst war ich dann auch mehr als begeistert. Das Haus recht rustikal und laendlich eingerichtet, total gemuetlich, nebenan direkt ein See zum Schwimmen und Bootfahren und drumherum die Rinderweiden, wo Rind und Pferde das Leben genossen. Glueckliches Fleisch hier, ganz klar!!! Das schmeckt man auch, ich werd hier noch zum Fleischliebhaber :)...
Nach der langen Autofahrt sind wir dann natuerlich auch erstmal in den ja xixiwarmen See gesprungen, Glueck muss der Mensch im Leben haben und das dann auch empfinden koennen!!!

Wie immer, war natuerlich nicht nur Familie Almeida von der Reisepartie, sondern auch noch ein Freund von ihnen, Floriano, Stadtrat von São Paulo momentan und ehemals im sozialen Bereich der vorherigen Regierung Fernando Henrique (?) taetig, oho, ein hohes Tier, aber total lustig und nett! Er hatte seine beiden Soehne im Alter von 10(Fernando) und 14 (Rodrigo) dabei und seine Nichte (14, Martina) und seinen Neffen (17, Caiu). Leticia und Larissa (Toechter von Belita, also Enkel von Eliana und Eli und auch Suzanna, die allerdings nicht mit war) hatten ihre Cousine und eine Freundin mitgenommen. Zwei Tage spaeter kam der eine Bruder von Eli, der seine Farm in der "Nachbarschaft" hat vorbei mit seinen Toechtern (25 und 32) und Sisi(25) blieb dann gleich bei uns, was total toll war. Ich hab mich total gut mit ihr verstanden, sie ist total lustig!! Vor allem mit Mafe, Belita und Caiu haben wir total viel rumgebloedelt, sodass Lachkraempfe nicht ausblieben....
Soweit also zur Gruppenkonstellation.... fahren wir fort mit Aktivitaetenbericht:

Ausser Schwimmen, viel Unterhalten, die Gegend erkunden, sind wir natuerlich so viel wie moeglich geritten, ein Traum in dieser tollen Landschaft!!! Und es hat sogar so gut funktioniert, dass ich einen Morgen frueh aufgestanden bin, um mit den Boiadeiros (Cowboys sozusagen) die Jungbullen zum Wiegen und Kastrieren (die Aermsten) heimzutreiben. Eine grandiose Erfahrung (Wuppi, eine fantastische Vorstellung, dass du so deine naechsten Monate verbringen wirst!!!Ich hab so viel an dich gedacht und gegrinst wie ein Honigkuchenpferd auf meinem Scheckenpferd vor Freude)!!! Wenn die Jungbullen vor meiner Nase dann ploetzlich ihre Kraefte messen mussten, hatte ich anfangs schon etwas Sorge, aber mein Hotti hat sie mir mit seiner Ruhe auch schnell wieder genommen....

Ebenfalls zu Pferd ging es am selben Tag weiter zum naechsten Ereignis, das allerdings eher unerfreulich war, wenn auch jetzt im Nachhinein erlebnisreich und schoen zum Erzaehlen, aehnlich wie die Baerengeschichte aus Kanada. Ich bin mit Stadtrat und Sohn ueber eine wunderschoene Weide geritten und Sonne im Gesicht wie Pferd unterm Hintern genossen, als ploetzlich ein weisser Hengst angeprescht kam, der wirklich ohne Ruecksicht auf Verluste auf des Sohnes Pferd und das meinige losging. Die Boiadeiros hatten uns noch vorher gewarnt, dass es da so einen gibt, der dann auch nicht vor Reiter Halt macht, aber natuerlich hatten wir uns bei den riesen Weideausmassen im Gelaende geirrt und sind diesem eigentlich total huebschen Hengst genau vor die Hufe gelaufen. Wir versuchten ihm auszuweichen, wegzugalloppieren und wegzutreiben, aber zunaechst ohne Erfolg. Er biss um sich und ging richtig auf die anderen Pferde los. Ein paar Mal fiel ich fast aus dem Sattel, als mein Hotti Vollbremsungen hinlegen musste, um Kollision zu vermeiden. Zum Glueck liess es sich aber noch mit einer Hand fuehren und drehte nicht total ab und dank Westernsattel hatte ich noch nen netten Knauf zum Festhalten. Als dann Klein Fernando vom Pferd gestossen wurde von Hengstes wuetendem Kopf, bekam ich es wirklich kurz mit der Angst zu tun, er auf der Erde und die beiden Pferden am Kaempfen direkt daneben. Gluecklicherweise geschah dies aber direkt am Zaun, sodass er sich rueberrollen konnte. Huh!
Die Chance, dass nun das andere arme Pferdchen an der Reihe war, nutze ich zur Flucht und fand dann auch ein anderes Tor, das natuerlich so fest zu war, dass ich erstaml gut herumwerkern konnte, um es aufzubekommen. Zeit fuer unsern Weissen Wilden, um wieder aufzuholen. Als er dann auf uns zugalloppiert kam, gerade als das Tor offen stand, habe ich einfach nur noch losgebruellt und mit den Armen gefuchtelt und er ist doch tatsaechlich abgebogen. Also schnell durchs Tor, Floriano auch noch durch und zu damit. Fernandos Pferd kam dann etwas spaeter von selbst angalloppiert und liess sich leicht einfangen, sodass auch dieses aus der Gefahrenzone genommen war. Oh ja, das war nicht unbedingt spassig, aber doch irgendwie aufregend. Zum Glueck hat keinerhaWunden davongetragen!

Die Farm ist in drei grosse Gebiete aufgeteilt, die wir per Landrover hinten auf der Ladeflaeche alle schoen erkundet haben, da es schon einige Distanzen waren.
An einem Tag sind wir mit der gesamten Mannschaft in einem Auto (!), was hiess zu 13 auf der Ladeflaeche mit Biomuell fuer die Fische (der musste doch einfach mit!), zu einem Fluss gefahren. Ich sag euch, das war einfach ungaublich ungemuetlich, aber so was von megadiemegalustig, ich habe quasi die ganze Fahrt von ca. 1h durchgelacht, wie eigentlich alle. Ordentlich Armmuskeltraining war auch dabei, da ansonsten blaue schmerzende Flecke am Allerwertesten die Folge gewesen waeren... die Schlagloecher mussten schliesslich ausgefedert werden. Das Beste war noch, dass Alan, der Freund von Mafe, ueber dem Biomuell platziert war und natuerlich mitten in ihm landete bei einem besonders grossem Huckel.... die Biomuellsosse floss ueber die gesamte Ladeflaeche, was aber nun auch nicht mehr stoerte und Alan blieb gleich in der Pampe sitzen, bis wir am Fluss ankamen. Dort wurde vergeblich versucht, das Boot in Gang zu bringen, um ein bisschen den Fluss hochzufahren, um sich nachher von der Stroemung mitreissen zu lassen.
Da es mit dem Boot also nicht funktionierte, hab ich versucht, gegen die Stroemung etwas anzuschwimmen und bin sogar auch langsam, aber sicher vorangekommen.... da holte ich mir gleich nen neuen Spitznamen ein: Volkswagen! Welch ein Name, jaja. Nein, es gibt hier ne Werbung fuer Volkswagen und weil sie eh schon immer von meiner "força guermanica" sprachen, da ich immer alles mitmachte, hiess ich also an jetzt Volkswagen, spaeter dann auch noch "das Auto", vom Herrn Stadtrat eingefuehrt. Wir hatten so einen Spass. Meiner uebrigen Spitznamen sind hier uebrigens Jo, Joaninha, Joanita e Alemoa....
Gut, zurueck zum Thema. Am Fluss haben wir uns also bestens amuesiert und haben dann auch nen kleinen Weg durchs Ufergestruepp gefunden, um weiter oben in den Fluss zu springen. Die Kinder wurden auf den Ruecken bzw. an die Schultern genommen und waren vollauf begeistert, wie wir alle!!!
Rueckfahrt wieder mit altem Charme und anschliessend haben wir in der Abenddaemmerung noch Volleyball mit allen gespielt, super!!! Der Sonnenuntergang war phaenomenal, aber da wir so auf unseren Volleyball konzentriert waren, konnte ich ihn nur aus dem Augenwinkel beobachten und leider nicht fuer euch per Foto festhalten....
Als es zu dunkel war, um weiterzuspielen, bin ich mit Caiu und Rodrigo noch im See schwimmen gewesen unter einem unbeschreiblich schoenen Sternenhimmel, der dort auf dem platten Land wirklich wie ein Planetarium ist!!! War wunderbar, nur dass wir hinterher ein bisschen Schelte einholen mussten, da es im Dunklen recht gefaehrlich ist wegen der nachtaktiven Tiere und vor allem Schlangen (wenn man ueber die Weiden reitet, sieht man ab und an mal Ueberbleibsel eines Rinds, das von Wuergeschlange eingeholt wurde); daran hatten wir nun nicht gedacht, aber ist ja nichts passiert....
Nach dem Abendessen wurden dann die Spieltische eroeffnet und ordentlich Truco jespielt. Ich hab immer mit Tiago, dem einen Boiadeiro, gespielt und wir haben so einige Partien nach hause getragen, eheheh :). Mir wurden dann noch verschiedene Zeichen zum Spielen beigebracht und da ich eh schon in bester Lachguterlaune war, fiel dies unheimlich spassig aus, nicht nur fuer mich, sondern fuer alle Beteiligten.
Schliesslich haben wir uns dann noch alle unter den bezaubernden Sternenhimmel gesetzt, Hans-guck-in-den-Himmel gemacht und viele Sternschnuppen gesehen - wunderbar!!

Was noch, ach ja, mit der alten Buechse von Eli wurde dann natuerlich noch Dosenschiessen gemacht. Ich wollte erst nicht, hab mich dann aber doch ueberreden lassen und hab sogar getroffen!!! Da ich mir dachte, dass durch den Rueckstoss das Gewehr wohl hochgehen wuerde, hab ich weiter nach unten gezielt und meine Technik ist doch tatsaechlich aufgegangen, heihei!!! Als ich das den anderen erzaehlte, musste sie so lachen, haben es dann aber auch auf diese Weise versucht und so getroffen.... Sogar beim Schiessen hatten wir also Spass, obwohl das ja eigentlich nicht "mein Strand" ist.


Zweifellos, diese Reise war eine der besten und vor allem spassigsten, die ich bisher in Brasilien gemacht habe! Mit fabelhaften Leuten, toller Natur und schoenen Erlebnissen!!!
Umso trauriger war dann der Abschied, als wir uns wieder auf die Heimreise machen mussten. Wir waren wirklich alle traurig... und die Heimreise war auch noch sehr lang, da die einzige Hauptstrasse aufgrund des Regens geschlossen war, wir uns also ueber verschiedene Nebenstrassen auf Sãu Paulo zubewegten, wo wir erst am Sonntagmorgen um 3Uhr ankamen.
Nichtsdestotrotz (ein merkwuerdiges Wort) wurde der Sonntag dann aber vollstens ausgenutzt. Ich habe mit Rahel telefoniert, worueber ich mich total gefreut habe, wir hatten so lange nicht voneinander gehoert.... habe ganz lange mit meinen Eltern gesprochen und ihnen alles erzaehlt und ganz zu schweigen von Christina, mit der es anschliessend noch einen ausfuehrlichsten Schwesternaustausch gab :), wunderbar!!!
Abends kamen dann Floriano und Familie wieder zum Abendessen (wir hatten doch alle Heimweh nach Fazenda und Fazendacrew), einem ganz schicken, von Ricardos Halbbruder gekocht, der Koch ist. Wieder hatten wir Freude, Spass und Lachen bis zum Kringeln, haben uns an unsere Reise erinnerte und uns amuesiert!
Als ich mich dann nach Mitternacht doch auf den Heimweg machen musste, da ich am naechsten Tag ja um 8Uhr wieder im Amparo meine Arbeit aufnehmen sollte, fiel mir das doch sehr schwer und den anderen auch, wollten mich doch glatt zum "Schwaenzen" ueberreden ;), aber nach den ferien ging das natuerlich nicht.... Sie sind jetzt wirklich wie meine Gastfamilie hier, meinen, ich waere wie eine Adoptivtochter und so fuehl ich mich allen Ernstes auch, sie sind so herzlich, wir verstehen uns unglaublich gut!! Ich bin unbeschreiblich dankbar und gluecklich, gerade sie hier getroffen zu haben. Es scheint, als ob wir uns schon viel laenger kennen, dabei hab ich sie ja erst an meinem Geburtstag (welch Zufall) kennen gelernt....

Jaja, dem Hannerle gehts wunderbar, persoenlich, wie arbeitsmaessig. Aber ueber meine Arbeit schreibe ich dann nochmal.....

Liebe Gruesse an euch alle!

Dienstag, 5. Januar 2010

Silvester in Ubatuba

Vom 26.12. bis gestern, 4.12., habe ich mit der Familie von Eli und Eliana, Familie von Ricardo und Belita, Suzanne und ihren Soehnen (einer lebt in der Schweiz) und der Familie ihrer Tochter, 3 freunden von ihr aus Portugal, einem lustigem Franzosenehepaar aus Paris, und den beiden Schwestern von Eliana samt Familie in Ubatuba am Strand verbracht. Insgesamt waren wir so um die 30 Personen, wenn nicht mehr... War fantastisch!!!! Suzanne hat dort ein Haus geerbt, ihr Sohn Ricardo auch auf dem gleichen Grundstueck, sodass alle Platz fanden.
Die ersten Tage waren wettermaessig wunderschoen, bis abends gegen 19Uhr herrlicher Sonnenschein, dann aber kraeftiger Regen. Ubatuba ist bekannt fuer viel Regen und wird daher auch Ubachuva genannt (chuva=Regen, wie ihr euch sicher denken koennt). Dafuer ist es hier aber auch wunderschoen gruen ueberall und nichts vertrocknet.... Tagsueber konnten wir auf jeden Fall immer am Strand verbringen, der sich direkt hinter dem Haus erstreckte, herrlich!! An beiden Seiten "unseres" Strandes waren noch 2 weitere Buchten, die man zu Fuss erreichen konnte. Da die Kueste bei Ubatuba einen Schwenk macht und noch ein paar Inseln vorgelagert hat, war "unserer" Strand sehr geschuetzt, wie ein Ententeich. Der Strand nebenan war dafuer umso wellenreicher, da er direkt an den Ozean angrenzt. Dort bin ich besonders gerne schwimmen gegangen, das Wasser war tuerkisblau, ein Traum!!! Dieser Strand war eh eine Augenweide, ich werde noch Fotos hochladen, sobald ich sie in jpeg umwandeln kann, ich hab ganz schoene gmeacht, jaja!!!
Gefruehstueckt wurde nach dem Ausschlafen auf der ueberdachten Terrasse relativ spaet, sodass wir erst gegen 18/19Uhr Mittag assen bzw. mit Abendbrot in einem und den ganzen Tag mit Sonne nutzen konnten.

An einem der Tage bin ich mit Ivana, die juengere Schwester von Eliana, ihrem Mann und ihren beiden Soehnen nach Paraty gefahren, einer historischen Stadt im Sueden des Staates Rio de Janeiro, yeah, das erste Mal, dass ich den Staat von São Paulo verliess!!! Leider regnete es ununterborchen, aber wir trudelten dennoch durch die kleinen Gassen, sodass ich einen guten Eindruck bekam und Erkaeltung dazu, aber das nimmt man in Kauf und an der See heilt sowas ja schnell wieder... dachte ich mir...

....am 31. hab ich dann den Tag mehr oder weniger im Bett verbracht, da ausser Husten, Schnupfen, Halsschmerzen noch Bauchschmerzen und Uebelkeit hinzukam. Aber immerhin lohnte es sich, denn abends war ich wieder fit und konnte gebuertig Silvester feiern, wenn auch ess- und trinktechnisch etwas reduziert, aber das ist ja nicht so schlimm. Obwohl es auch diese Nacht wieder heftig am Regnen war, gab es dennoch ein grosses Feuerwerk am Strand, dass wir unter Sonnenschirmen und "baraca" verfolgten. Durch sieben Wellen springen (nur mit den Fuessen) und sieben Wuensche denken, auch das fehlte nicht und alle in Weiss, wie es in Brasilien Tradition ist, eine sehr schoene, meiner Meinung nach. Auch davon werde ich noch Fotos hochladen, wenn ich dann in die Gaenge komme.....
Wie Weihnachten eine ganz neue Erfahrung, aber ein sagenhaft toller Einzug ins Neue Jahr, so kann das ja nur super werden!!!
Am 1.1. blieb der Strand dann mehr oder weniger fuer sich, da es ununterbrochen am Schuetten war, aber wirklich heftig. So gab es einen gemuetlichen Tag im Haus, bzw. der Terrasse mit viel Unterhalten, Buraco und Truco spielen (hab ich neu gelernt :)!).....
Aufgrund der straken Regenfaelle haben sich aber auch leider Ungluecke ereignet, da es zu Erdrutschen kam. Das habt ihr bestimmt auch in den Nachrichten gehoert, war ziemlich heftig.
Einige Strassen mussten auch gesperrt werden, sodass dann jetzt die letzten Tage alle ueber ein und dieselbe Strasse nach São Paulo zurueckkehren durfte, ein Chaos sag ich euch!!!
Ueber Neujahr faehrt Halb São Paulo an den Strand, wer weiss wie viele Millionen Autos sich da auf den nur zum Teil zweispurigen Pisten draengeln.
Egal um welche Uhrzeit man sich also diese Tage auf den Heimweg machte, steckte man im Stau, den man wahrscheinlich nur in São Paulo erleben kann.
Gestern haben wir ueber 8 Stunden gebraucht fuer einen Weg, der normalerweise gut in 3 Stunden zu bewaeltigen ist.
Das Schoene war nur, dass ich seit der Nacht vorher ziemliche Bauchschmerzen hatte, die sich durch nichts beseitigen liessen. Morgens kam dann noch Uebelkeit dazu, sodass ich die besten Voraussetzungen fuer eine lange Autofahrt in Hitze ueber Ruckelpisten erfuellte. Der Vorteil des Stop-and-Go-Fahrens, ich konnte problemlos aus dem Auto, um meinen Magen zu erleichtern...
Also war schon ziemlich hart diese Fahrt, vor allem da wir auch in São Paulo Stadt noch viel Stau antrafen, da wegen des Regens Baeume umgefallen waren und gerade im Zentrum der Stadt alles blockiert war. So haben wir uns durch kleine, uberschwemmte Gassen geschlaengelt, um dann aber endlich zu Hause anzukommen.
Meine Bauchschmerzen samt Uebelkeit und abends dann auch noch Fieber regulierten sich dann erst nach einem Krankenhausbesuch. Es stellte sich heraus, dass ich gewisse Darmprobleme hatte. Jaja, wieder eine neue Erfahrung und eine extrem schmerhafte dazu, aber man ueberlebts und jetzt ist alles wieder in Budder aufm Kudder. Graças à Deus!!!
Der gute Eli hat mich begleitet, mich um Mitternacht ins Krankenhaus gefahren und die ganze Zeit gewartet. Ich war so dankbar, sie sind alle so lieb zu mir!!!

Am Freitag werden wir uns dann in aller Fruehe auf den Weg nach Mato Grosso do Sul machen, wo Eli immer noch die Fazenda, grosse Farm mit Rindern und Pferden, seiner Eltern betreibt. Sie liegt inmitten von toller Landschaft, jenseits der Zivilisation, wird bestimmt wunderbar!!! Ich freue mich schon riesig!!!! Wir werden bis zum Sonntag der folgenden Woche bleiben.
Ach ja, ist das alles herrlich, mir geht es so wunderbar (wieder)!!!!

Hab euch alle lieb und denke an euch!!
Das Hannerle

Dezember und Weihnachten

Huhuuuu, ja es gibt mich auch noch, wenn auch kaum hier auf dem Blog, dafuer aber umso mehr im brasilianischen Leben!
Nachdem ich jetzt mal wieder Internetzugang habe, hab ich mich erstmal durch ganz viele interessante, tolle Blogs gelesen und mich nen Megakeks gefreut, dass es allen so gut geht und froehlich die Welt entdecken.....

Ich fange jetzt mal einfach im Dezember an, auch wenn es noch so viel von davor zu berichten gaebe, aber dafuer ist es jetzt wirklich etwas spaet, kommt dann hinterher im Original....

Also, das WE ueber den ersten Advent war ich 3 Tage mit einer Jugendgruppe aus einer der unzaehligen Favelas hier in Peruíbe, einem netten Oertchen an der Kueste São Paulos. Meine Yogafreundin Angela, die aus der Dominikanischen Republik kommt, hatte mich eingeladen. Sie gibt dort in dieser Favela naemlich Spanischunterricht, an dem ich auch schon einmal teilgenommen habe, und hatte mich eingeladen, auch mitzukommen. Es war total toll, eine wunderbare Erfahrung und unheimlich interessant. Die Jugendlichen waren im Alter von 14 bis 21 und alle total nett, interessiert an mir, haben mich voll akzeptiert und intergiert.... Wir haben uns gut verstanden, haben verschiedene gruppendynamische Spiele gemacht, hatten Gespraechskreise bezueglich Erwartungen, Hoffnungen und Wuensche fuer die Zukunft, Ausbildung, Beruf uns so, waren am Strand und haben in der Piscina getobt bis zum Abwinken! Die meisten der Jugendlichen konnten noch nicht schwimmen, da sie halt nie die
Moeglichkeit dazu hatten, sodass ich versucht habe, ihnen die Grundlagen etwa beizubringen. Dieser Ausflug war angedacht als Retiro, was so eine Art Rueckzug ist, um nachzudenken, sich zu sammeln und so, auf spirituelle und auch religioese Art. War wirklich spitze, hab ich total genossen, vor allem auch, weil es das WE war, an dem mein Opa beerdigt wurde, sodass ich dankbar war, Zeit zur Besinnung, zum Nachdenken, Abschiednehmen, wenn auch auf so weite Distanz, zu haben und mit lieben Menschen zusammen zu sein.

Das folgende WE ueber den 2. Advent war ich dann in Campos do Jordão, eine huebschen, europaeisch anmutenden Ort in den "Bergen"- also etwas hoeher gelegen, nicht wirklich Berge - im Norden des Staates São Paulo. Auch hier war ich mit Angela. Sie gibt naemlich Yogakurse fuer die Angestellten des Colégios, wo wir uns auch immer treffen und wo ich auch schon einige Male Veranstaltungen von der Capoeira aus hatte, und mit diesen sind wir losgezogen, ebenfalls als Retiro. Natuerlich wurde viel Yoga gemcht, aber auch andere Gruppen"spiele" mit Tanzen, Massage (ahhh, das tat gut ;)!!) und Stille, also Schweigehalbestunde. Am Sonntag gings dann noch runter in die Stadt zum Kennenlernen, hehe, mit vielen deutschen und schweizer Restaurants und Fachwerkhaeusern, da fuehlte ich mich doch gleich heimisch! Ich fands alles wunderbar und find es toll, dass ich immer irgendwie die Moeglichkeit hab, mehr kennen zu lernen und immer mal wieder dem Grossstadttrubel São Paulos zu entfliehen!!!

In der folgenden Woche hatte ich dann jeden Abend Capoeiratraining, weil wir am folgenden WE eine Presentation im Colégio hatten. Ich war so gluecklich, dass ich es tatsaechlich mit meiner Arbeit im Amparo vereinbaren konnte, immer hinzugehen, es tat so gut, viel Bewegung zu haben und sich "auszutoben". Ausserdem habe ich viel schneller gelernt - grrr, was jetzt wahrscheinlich schon wieder verlent habe ueber die Feiertage, aber dazu spaeter -. Capoeira ist einfach klasse, grandios, vielseitig, ja, das trifft es wohl!!

Am WE war ich dann erst Samstag bei der Capoeira und bin dann abends zu meiner "Freundesfamilie" gefahren. Also, ich werd das hier mal etwas besser erklaeren wie die Verbindung zu Stande gekommen ist. Im Amparo arbeite ich einmal in der Woche u.a. mit Suzanne zusammen, die eine der Freiwilligen der Pastoral da Escuta (siehe Zwischenbericht) ist. An dem WE meines Geburtstages hat sie mich mit zu ihrer Familie genommen, wo ich dann ihren Sohn, Ricardo, kennengelernt habe, der schon verheiratet ist und 2 Toechter (total niedlich und lieb!!) im Alter von 6 und 9 Jahren hat. Seine Frau, Belita (Spitzname), hat eine grosse, unheinlich gastfreundliche Familie, die ich inzwischen auch schon einschliesslich diverser Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins und was es noch so alles gibt kenne. Suzanne, Ricardo+Familie und die Familie von Belita wohnen allesamt quasi als Nachbarn in der gleichen Strasse und machen sehr viel zusammen, haben einen sehr guten Familienzusammenhalt, der sogar fuer brasilianische Verhaeltnisse phaenomenal ist. Die Eltern von Belita, Eliana und Eli, sind total nett, lieb und unkompliziert. Ausser Belita (30)haben sie noch 3 weitere Kinder: Graziela (32 und Pferde- und Hundeliebhaberin!!), Luis (28, er hat Daumsyndrom, ist aber sehr selbststaendig, arbeitet auch und ganz lieb im Umgang) und Maria Fernanda, genannt Mafe (25). Ich verstehe mich mit allen wunderbar, hab sie unheimlich lieb; sie sind wie meine Gastfamilie hier. Wir machen viel zusammen an den Wochenenden, gehen abends weg, besuchen Ausstellungen, ahh ja und gehen auch viel in die Kirche, sie sind naemlich sehr glaeubig, aber auf sehr bewusste und angenehme Art und Weise, wie ich finde; ich bin so dankbar, dass ich sie kennengelernt habe.

Am Wochenende des 4.Advents war ich Freitagsabends beispielsweise mit ihnen und einer grossen Gruppe von Personen mit Daumsyndrom (sie organisieren naemlich immer ca. 2x im Monat Ausfluege oder Veranstaltungen fuer Personen mit dieser Behinderung, um sie mehr in die Gesellschaft zu intergieren, fantastisch) bei einer grossen Show einer bekannten Certanejagruppe, Certaneja ist die brasilianische Countrymusic, die alle lieben, die aber teilweise auch sehr schnulzig, wie soll oich sagen, volksmusikaehnlich sein kann, was nicht so mein Fall ist. Aber war dennoch klasse, um show superanimado!!!
Samstag war ich dann mit Angela bei der Weihnachtsfeier unserer Wandertruppe, mit der wir die Wanderung von Registro nach Iguape gemacht haben, was allerdings schon etwas her ist.Ich weiss nicht, hatte ich davon berichtet? Naja, auf dieser Wanderung habe ich Angela jedenfalls kennen gelernt. Die Weihnachtsfeier war total toll und es war schoen, alle wieder zu sehen!
Sonntag hab ich mich dann zum Parque Ibirapuera durchgeschlagen, um mich wieder mit Eliana und Co zu treffen und die Ausstellung des Kleinen Prinzen zu besuchen, die voll schoen war!!

Ja, wie das im Dezember so ist, hatte ich sonst auch immer noch viele Weihnachtsfeiern, im Amparo mit den Meninas sogar mehrmals, da verschiedene Organisationen mit Geschenken fuer Muetter iund Kinder kamen und jedes Mal ein Fest organisiert wurde, mit den Freiwilligen der Pastoral da Escuta und mit den Funcionários, also Angestellten, des Amparos, Festa da Confraternização, das richtig klasse war mit viel Musik und Tanz!!! Ueber die Adventswochen verteilt hat Irmã Nenén eine Novena organisiert, das sind 9 Treffen, um sich auf Weihnachten vorzubereiten.
Am 23. gab es dann noch eine grosse Messe im Salão da Festa mit Allemann (schreibt man das so?) und abends konnte ich dann in meine Ferien eintreten, juhuuu!!! So sehr mir die Arbeit im Amparo gefaellt, war ich dann doch fdroh darueber, mal etwas Pause zu haben. Mit der Zeit wird es doch anstrengend, alle wollen immer was von einem, Fotos hier, Fotos da, Virus im Berçario, der sich auf alle Kinder ausbreitet, sodass man eine Horde von kranken, quaengelnden Babys zu beruhigen hat..... und natuerlich erheblicher Schlafmangel, zwar nicht gewollt, doch akzeptiert, schliesslich will man die wertvolle Zeit hier doch nutzen!!! Naja, am Ende war ich auf jeden Fall froh, mal etwas Zeit zum Ausspannen zu haben, um dann hinterher wieder mit neuer Motivation und Energie ins Amparo zu gehen!

Am 24.12. war ich dann erst bei Norica und Familie, die ich auf Grund der vielen Unternehmungen schon seit Wochen nicht mehr gesehen hatte, um mit ihnen etwas Weihnachten zu feiern und gaaaaanz viel zu reden.Es gab schliesslich genug zu berichten von beiden Seiten.... Ueber Karneval werde ich dann auch mit Cris und ihren Freunden, von denen ich auch schon einige kenne, nach Olinda in der Naehe von Recife im Nordosten Brasiliens fahren, worauf ich mich schon mega freue. Anschliessend bleibe ich dann noch in Recife, um mich mit Marlene zu treffen, die dort in der Naehe ihr Auslandsjahr macht, weil wir am 22.2. schon Zwischenseminar in Salvador haben. Es waere also recht unklug fuer die paar Tage zureuck nach São Paulo zu reisen, um sofort wieder gen Norden zu ziehen..... Ach ja, darauf freue ich mich schon reisig, das wird wunderbar!!!
Aber gut, ich war bei Weihnachten bzw. Heiligabend um genau zu sein. Von Norica aus konnte ich dann auch mit meiner Familie skypen, sogar mit Kamera, was einfach genial war!! Meine liebe Oma aus Eilum war ja auch da, sodass ich ganz viel mit allen sprechen und alle sehen konnte, sogar den Wuschelurmel, der sich mit seiner Mode bestens an den Winter anpasst ;)!!! Christina hat mir eine Weihnachtsweise auf dem Fluegel geschmettert, sodass trotz Hitze und Hochsommersonnenschein sich doch ein Funken Weihnachtsstimmung deutscher Art breit machte. Schoen, schoen, schoen!!!!
Abends bin ich dann weitergezogen zu meiner lieben "Gastfamilie", die mich zu Weihnachten eingeladen hatten. Abends kam die ganze Familie, mit Onkel und Tanten und so, zu Eliana und Eli. Zur Einstimmung gab es eine Bibelstelle zum Lesen und Gebete, worueber dann gesprochen und ins Hier und Jetzt eingebettet wurde, analysiert und diskutiert. Die Kinder der Runde haben anschliessend ein kleines, mit Mafe selbstausgedachtes Theaterstueck aufgefuert ueber den Sinn von Weihnachten, in dem ich spontan auch noch eine kleine Rolle bekam, hehe. Dann wurd noch etwas gesungen und anschliessend ging es mit den Kindern los auf Weihnachtsmannsuche. Nachdem Papai Noel dann wieder den Abgang gemacht hatte und alle Geschenke verteilt worden waren, gab es die traditionelle ceia, ein grosses Mitternachtsmahl mit ganz viel leckerem Essen.
Ein rundum toller Heiligabend mitsamt dem Heiligtag vorneran bei Norica!!!
Am 25.12. ging das Feiern und Schmausen dann nebenan im Haus von Belita und Ricardo in Form eines grossen Mittagessens auf der Terasse im Schatten (Sonne war zu heiss) weiter. Dieses Mal auch mit Suzannes Familie und noch weiteren Freunden. Ach ja, es ist toll mit so vielen netten Menschen zu feiern, sich zu unterhalten und auszutauschen!! Abends sind wir dann noch in die Weihnachtsmesse gegangen, die sich allerdings nicht so sehr von den normalen unterschied, aber gut.

Hiermit geht mein Dezemberbericht zu Ende. Ich hoffe, ihr hattet ebenfalls alle ein schoenes, froehliches Weihnachtsfest und habt die neuen, fremden Eindruecke aufgesogen und genossen!!! Vielen Dank auch fuer die lieben Weihnachtsgruesse an alle, die an mich gedacht haben. Entgegen meines Vorhabens habe ich es dieses Jahr nicht geschafft, meine Weihnachtspost zu verschicken, da dazu einfach keine Zeit mehr blieb, tut mir wirklich Leid!

Um wenigstens einen Rest von Uebersicht zu behalten werde ich ueber die Zeit am Strand in Ubatuba gesondert berichten.
Mit vielen, lieben Sommergruessen! Euer Hannabaer

Donnerstag, 26. November 2009

1. Quartalsbericht

Hallo ihe Lieben!!

Nach einem Monat tiefer Stille, tauche ich nun auch mal wieder auf, hehe, leider wieder mit wenig Zeit, sodass ich erstmal einfach meinen ersten Quartalsbericht, den ich fuer meine Organisation schreiben musste, hier reinstelle. Einiges kommt euch wahrscheinlich bekannt vor, aber er gibt euch hoffentlich wenigstens einen kleinen Eindruck davon, wie sich mein Leben hier in Brasilien so entwickelt hat. Also viel Spass beim Lesen ;)!!


1. Quartalsbericht

Bei meiner Ankunft in São Paulo war ich erstmal ganz überwältigt von den Riesenausmassen der Stadt; der Dschungel aus Hochhäusern und grundsätzlich verstopften Strassen und das scheinbar funktionierende Verkehrschaos schienen mich zu erschlagen. Hinzu kam die Sprachbarriere; denn obwohl ich besonders in den letzten Wochen vor meinem Abflug noch einmal intensiver Portugiesisch gelernt hatte, verstand ich bei dem Sprachtempo der Brasilianer zunächst so gut wie gar nichts. So war ich in doppelter Hinsicht froh und dankbar, dass ich die ersten vier Tage bei der Familie einer entfernten Cousine meiner Mutter bleiben konnte, die in São Paulo lebt und auch Deutsch spricht. Sie half mir sehr, mich ein wenig in dieser Megastadt einzufinden und zu orientieren, unternahm viel mit mir und gemeinsam machten wir auch das Amparo Maternal spwie meine Wohnung ausfindig. Bei meinem ersten Besuch im Amparo Maternal wurde ich von Irmã Enir, der Präsidentin, und Donna Norma, der Verwalterin, sehr herzlich begrüsst und empfangen und erhielt auch gleich einen äusserst positiven Eindruck von der Atmosphäre und dem Ambiente der Einsatzstelle selbst.

Nach dieser ersten Hochphase und Begeisterung folgte dann aber schon bald eine erste Krise, holte mich der Kulturschock doch noch ein. Obwohl ich mir im Voraus schon Gedanken darüber gemacht und mich darauf eingestellt hatte, dass ich am Anfang erst einmal viel Geduld haben und mir meine Aufgaben im Amparo Maternal erst zusammensuchen müsste, viel mir diese Tatenlosigkeit äusserst schwer. Ich fühlte mich verloren als einzige “FSJlerin” und fragte mich, wie ich in diesem grossen, in sich funktionierenden Projekt mithelfen konnte; já wo meine Hilfe überhaupt gebraucht wurde. Hinzu kam, dass ich mich mit meiner Mitbewohnerin zu Hause nicht besonders wohl fühlte und in ihr nicht gerade eine Freundin oder Vertrauensperson finden konnte. Sie schien mir im Gegensatz zu den anderen lebensfreudigen und offenen Brasilianern, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, sehr kühl und recht ungeduldig bezüglich der Verständnisschwierigkeiten, die anfangs natürlich noch öfter auftraten, was mir sehr ungeduldig war.

Daher fühlte ich mich sehr alleine, hatte viel Heimweh nach meiner Familie und meinen Freunden und hatte mit Zweifeln zu kämpfen, ob es wirklich die richtige Entscheidung gewesen war, gerade nach São Paulo zu kommen.

Die Ankunft im Amparo Maternal gestaltete sich demnach also erst schwierig für mich. Nachdem ich dann aber mit einem vierwöchigen Sprachkurs begann, um die Eingewöhung auch auf sprachlicher Basis zu unterstützen, und mit Irmã Enir und verschiedenen anderen Personen im Amparo Maternal offen über meine Schwierigkeiten und meine Situation sprach, um gemeinsam genauer meinen Einsatzbereich für die erste Zeit zu bestimmen, ging es wieder bergauf.

Nach den ersten drei Monaten kann ich nun dankbar und zufrieden feststellen, dass ich mich sehr gut in São Paulo eingelebt habe, gut mit der Sprache und Kommunikation zurecht komme und mich wunderbar in meiner Einsatzstelle eingefunden habe; ich fühle mich integriert, kann viel helfen und habe ein breites Spektrum an Aufgaben, worüber ich sehr glücklich bin. Angefangen im Berçário, der “Kinderkrippe”, in der meine Hilfe bei der Pflege, Versorgung und Betreuung der zwei- bis siebenmonatigen Babys sehr gebraucht wird, habe ich mir mit der Zeit verschiedene weitere Aufgaben zusammen gesucht, sodass ich inzwischen einen vielfältigen Einsatzbereich habe.

Montags, mittwochs und freitags helfe ich von 8:00Uhr bis 19:00Uhr im Berçário die Säuglinge zu füttern, zu baden, zu wickeln und wenn zwischendurch Zeit bleibt, spielend zu beschäftigen. Ausserdem müssen sich um Wäsche und Sauberkeit gekümmert und die Kinder ab und zu zu Untersuchungen gebracht werden. Inzwischen bin ich auch gut eingearbeitet, sodass ich die Vertretungen der Berçaristas ohne Probleme einweisen kann und mir meine “Kollegen” schon oft gesagt haben, dass meine Hilfe sehr wertvoll ist, was mir wiederum viel bedeutet.

Dienstags und donnerstags arbeite ich vormittags von 8:30Uhr bis 12:30Uhr zusammen mit jeweils zwei Freiwilligen der “Pastoral da Escuta”, einer Gruppe von Frauen einer Kirchengemeinde hier in São Paulo. Sie kümmern sich um die Mütter und Schwangeren, die Alojamento Social, der “sozialen Herberge” des Amparo Maternals, wohnen. Ihre primäre Aufgabe ist das Zuhören (>Escutar), wobei sie zusätzlich zu dieser psychologischen Begleitung besonders den Müttern mit der Versorgung ihrer Säuglingen helfen, ihnen das Baden, Wickeln, Stillen und den Umgang beibringen, Unterrichtseinheiten bzw. kurze Vorträge über spezielle Themen, wie beispielsweise den Vorgang der Geburt oder Impfungen, halten und auch pflegerische Tätigkeiten, wie Nägelschneiden, Nabelpglege und Mundreinigung, bei den Säuglingen vornehmen.

Hier kann ich nicht nur mithelfen, sondern auch selbst noch sehr viel im Umgang mit Säuglingen lernen und noch mehr über die Frauen bzw. Mädchen selbst und ihren bisherigen Lebensweg erfahren. Da ich die meisten von ihnen schon recht gut kenne, wir uns gut verstehen und ich jetzt auch schnell Kontakt auch mit den Neuankömmlingen aufbauen kann, reden sie meist sehr offen mit mir und freuen sich, wenn ich ihnen helfen kann.

Dienstags- und Donnerstagnachmittag verbringe ich nämlich die Zeit mit den Frauen im Alojamento während ihrer Aktivitäten, begleite sie zu bestimmten Kursen ausserhalb oder4 zu Arztterminen in anderen Krankenhäusern, unterhalte mich viel mit ihnen und mache Fotos mit ihren Kindern für sie. Auf diese Weise habe ich zu vielen schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt und werde von ihnen als Freundin und Begleiterin angesehen, worüber ich sehr dankbar bin und mich freue.

Darüber hinaus habe ich nach einem kleinen Einführungskurs auch die Arbeit als “Doula” aufgenommen. Als Doula begleitet man die Gebährenden im Idealfall während des gesamten Geburtsprozesses einschliesslich der Eröffnungs- und Wehenphase, gibt emotionale Unterstützung, erklärt die Vorgänge, ist Kontaktperson und versucht der Gebährenden über die Schmerzen zu helfen, beispielsweise durch Massagen. Auf diesem Weg bin ich nun also auch schon etwas in der Entbindungsstation des eigentlichen Krankenhauses tätig, was für mich jedes Mal eine besonders intensive, wertvolle und interessante Erfahrung darstellt. Bisher habe ich immer montags ausschliesslich Frauen begleitet, die nur zur Geburt zum Amparo Maternal kommen und nicht im Alojamento beherbergt sind, wobei mich aber auch schon einige Schwangere aus dem Alojamento gefragt haben, ob ich sie nicht bei ihrer Geburt begleiten könne. Diese Zeichen des Vertrauens von Seiten der Frauen bedeuten mir besonders viel und nehme ich besonders ernst, was teilweise allerdings auch zu Enttäuschungen führen kann. So sehr ich die offen und herzliche Art der Brasilianer schätze, so schwer fällt es mir noch, mit der oftmals unzuverlässigen Seite vieler klarzukommen.

Eine weitere grosse Herausforderung für mich ist es zu akzeptieren, dass man in vielen Fällen trotz seines Einsatzes dennoch nicht viel ausrichten kann; dass viele Frauen, wenn sie das Alojamento verlassen, vielleicht wieder ins alte Fahrwasser gelangen und später erneut ungewollt schwanger vor der Tür stehen. Die Schwere zwischen Arm und Reich ist hier so gross und gerade in São Paulo sehr offensichtlich, sodass es besonders für Schwangere und Frauen mit Kind der sozial schwächeren Schicht äusserst schwierig ist, neu zu beginnen, Anschluss und Arbeit zu finden und aus der Mühle der Armut auszutreten.

Dennoch wird aber die brasilianische Lebensfreude nicht aufgegeben und gerade auch im Amparo Maternal, wo der Alltag das Erwachen neuen Lebens ist, spürt man den Willen und die Hoffnung der Frauen zu einem neuen Anfang, was ich sehr beeindruckend, anerkennenswert und auch inspirierend finde!

Seit langem habe ich jetzt schon die Idee eines Kurses in Schwangerschafts- und Rückbildungsgymnastik für die Frauen, konnte sie allerdings noch nicht verwirklichen. Eine andere Frau möchte ein Yogaprogramm anbieten, sodass wir uns wahrscheinlich zusammenschliessen, da beides viel miteinander zu tun hat. Vorerst müssen wir allerdings erst noch die Erlaubnis vom Chefarzt des Amparo Maternals bekommen und auch für entsprechendes Material sorgen.

Zusätzlich dazu habe ich vor, Englischunterricht für die Frauen des Alojamentos anzubieten, womit ich meiner Kollegen nach schon diese Woche beginnen kann. Das Problem dabei wird nur wahrscheinlich sein, dass die meisten der Frauen nur begrenzte Zeit bleiben, sodass die Sprache nicht wirklich gelernt werden kann. Aber vielleicht kann es zumindest ein Anstoss sein bzw. Eine Grundkenntnis aufgebaut werden.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich aufgrund des guten Verhältnisses zu den Schwangeren und Müttern selbst wie auch den Mitarbeitern, des angenehmen Arbeitsklimas und der Anerkennung und Wertschätzung meiner Hilfe sowohl von Seiten der Frauen, als auch von Seiten der Kollegen und Cheffinen, nun äusserst glücklich und zufrieden in meinem Projekt bin, gerne zum Arbeiten komme und mich freue, dass das Amparo Maternal ohne Zweifel zum Mittelpunkt meines Lebens hier in Brasilien geworden ist!

Am Wochenende und den Feiertagen kann ich meistens viel mit meinen Kollegen und Freunden aus dem Amparo Maternal unternehmen und auf diese Weise wieder neue nette Leute kennen lernen, die mich wiederum zu Unternehmungen einladen, sodass ich nicht nur in der Woche in meiner Einsatzstelle bestens beschäftigt, sondern auch sonst meistens unterwegs bin. Daher hat sich auch meine Wohnungssituation relativiert und ich kann mich besser auf meine Mitbewohnerin einstellen. Davon abgesehen verstehe ich mich auch sehr gut mit den anderen Bewohnern des Hauses.

Für die kommenden Wochen und Monate hoffe ich, dass ich die Möglichkeit und Zeit finde, noch Kontakt zu anderen FSJlern und Freiwilligen aus anderen Projekten hier in São Paulo aufzunehmen.


Geschafft???? Supi, ich druecke euch ganz doll und wuensche allen einen schoenen ersten Advent! Bei mir kommt bisher noch nicht wirklich weihnachtliche Stimmung auf trotz Weihnachtsschmuck im Uebermass; naja, Weihnachtsbaum aufbauen und schmuecken (bis man ihn kaum noch sieht, so ist das halt mit den kitschliebenden Brasilianern ;)) und dabei vor Hitze am Oelen, ist auch ne Erfahrung!!!


Liebe Gruesse von eurer Johanna